Wieder wurde es ein langer Abend und wieder ein Krimi, in dem Stuttgart Favorit und Titelverteidiger Dresden die Stirn bot und nichts verschenkte. Nachdem bereits die ersten beiden Spiele der Best-of-5-Finalserie nur knapp mit 3:2 und 3:1 an das Team von Trainer Alexander Waibl gingen, erlebte die ausverkaufte Margon Arena auch am Mittwochabend bis zum letzten Ballwechsel Spannung pur. Den ersten Satz sicherte sich Dresden bereits denkbar knapp mit 28:26, danach aber drehte Stuttgart die Partie und ging nach Satzgewinn drei und vier sogar mit 2:1 Sätzen in Führung. Titelverteidiger Dresden stand unter Zugzwang, wollte das Team nicht den Matchball zur Meisterschaft verspielen und die Entscheidung auf Spiel Nummer 4 oder sogar 5 vertagen. Im fünften Satz hielt es dann keinen der 3000 Zuschauer mehr auf seinem Platz, immer wieder schaffte es Stuttgart, die Nerven zu behalten und in Führung zugehen - sehr zur Freude der mitgereisten Fans vom Neckar, die in dieser Saison schon so oft miterlebt hatten, wie ihr Team die Wende schaffte. Doch Dresden, die in dieser Saison insgesamt nur zweimal überhaupt geschlagen werden konnten (von Schwerin und Wiesbaden), war nicht gewillt, den Matchball davon fliegen zu lassen. Nach dem Ausgleich zum 12:12 war die DSC-Auswahl um die Kanadierin Shanice Marcelle nicht mehr zu bremsen und zog Punkt für Punkt bis zum Satz- und Matchgewinn zum 15:12 und damit 3:2(28:26; 17:25; 23:25; 27:25; 15:12)-Sieg davon. MVP der Meisterschaftspartie wurden dann auch Shanice Marcelle und bei den Stuttgarterinnen Renata Sandor.
"Heute waren es wirklich Kleinigkeiten, die den Unterschied gemacht haben", kommentierte Stuttgarts Trainer Guillermo Hernandez nach der Partie die knappe Niederlage. "Die Gefühle sind so kurz nach dem Spiel na klar gemischt. Ich bin auf der einen Seite enttäuscht, aber dennoch stolz darauf, was wir mit diesem Team alles erreicht haben. Wir haben bis zuletzt das Maximum herausgeholt", so Zuspielerin Mareike Hindriksen nach dem Spiel. Doch schon bei der Siegerehrung hatten auch die Stuttgarter Damen zu ihrem Lächeln zurückgefunden, können sie doch auf die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte und den Pokalsieg im März zurückschauen. Nach der Enttäuschung dürfen also Freundentränen und Stolz überwiegen beim neuen deutschen Vizemeister aus Stuttgart, der außerdem am Mittwoch auf Kapitänin Kim Renkema verzichten musste, die vor wenigen Tagen eine Blinddarm OP hatte.
Herzlichen Glückwunsch dem Dresdner SC zur Deutschen Meisterschaft 2015!
Fotos: Tom Bloch